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Das Musik Ordnung ist, war mir irgendwie neu. Das sagte neulich mein Musiklehrer zu mir. Ja, mit nun 48 Jahren lerne ich Klavier spielen.

Nein, nicht einfach so. Mein Sohn träumte vor 2 Jahren davon und kaufte sich ein edles E-Piano und nahm Klavierunterricht, auf diesen er dann keinen Bock mehr hatte. Leider war die Kündigungsfrist der Musikschule im Mai diesen Jahres. Meinen Sohn fiel es erst im Juli ein, das er keinen Bock mehr hat. So kam der Brief mit der Bestätigung der Kündigung erst für August 2021.

“Und wer zahlt das Ganze?” fragte ich. “Ja ich nicht!” ließ mein Sohn locker verlauten. Nun, man sollte von einen 20 Jährigen etwas anderes erwarten. Was soll´s, Mama wird das schon richten.

So kam ich zum Klavierunterricht. Nicht, das mir das fremd wäre. Ich hatte in meinen jungen Jahren 10 Jahre Orgelunterricht.

Nun saß ich am 30.10.20 beim Klavierunterricht und spielte zum Aufwärmen ein Lied das ich eigentlich kann. Nur heute holperte es gewaltig.

Mein Klavierlehrer lebt Klavier und bat mir sehr viel Lehrmaterial an. Ich konnte ihm heute nicht folgen und es wurde alles nur noch schlimmer. Ich hing an vier Takten fest. Mein Klavierlehrer meinte dazu: “Ja ich bin ein bisschen streng, doch es muss sein. Jetzt üben wir jeden Takt einzeln und erst die Rechte und dann die Linke und dann gemeinsam.”

Mein Kopf rauchte, meine Hände krampften. “Wehe ich schaue noch einmal zu den Tasten. Hören, Tasten fühlen, kombinieren, weich sein.” forderte mein Klavierlehrer.  Damit war ich heute einfach überfordert.

Während der Übungszeit wurde mein Lehrer immer leiser. “Irgendwas ist mit ihnen heute nicht in Ordnung!” stellte er fest und erklärte mir: Das Musik und Klavier spielen, Ordnung ist. Und wenn man nicht in Ordnung ist, kann man nicht Klavier spielen. Ich holte unter meiner Mund-Nasenmaske tief Luft. Eine Antwort konnte ich darauf nicht geben.

Vier Takte, 45 Minuten lang geübt.

Ich fühlte mich fix und fertig. Am Ende der Stunde sah er mich an und fragte mich, was mich denn so belaste: “Ist es gerade die Lage mit Covid?”

Ich konnte ihn nicht ansehen, denn das Klavierspielen hatte meine Schutzmechanismen außer Kraft gesetzt. Ich wollte losheulen, doch ich beherrschte mich.

Kurz und knapp antwortete ich: ”Ich habe ein Kosmetikstudio und mobile Fußpflege. Ich darf schon wieder nicht arbeiten.” Ich stand auf, packte mein Heft ein. Meine Tränen wollten raus, doch sie wurden weit runter gedrückt. In diesem Fall war ich froh einen Mundschutz zu tragen, damit ich nicht noch gezwungen lächeln musste.

Auf dem Weg nach Hause, klang der Satz: “Klavier spielen ist Ordnung.”  in mir nach.

Ja, das hatte ich an diesem Tag erfahren. Wenn man Musik spielt, kann man sich nicht mehr selbst belügen.

Denn diese 45 Minuten hatten mir gezeigt, wie es wirklich um mich bestellt ist.

Herzlichst, Sandra